Was sind Beschwichtigungssignale bzw. Calming Signals?

 

Calming Signale dienen zur Beruhigung, Verständigung, Konfliktlösung und zum Stressabbau. Alle Hunde jeder Rasse und jeden Alters verstehen diese Signale, auch wenn sie selbst nicht alle Signale verwenden.

Der Hund setzt diese Signale bei seinen Artgenossen und auch bei uns Menschen ein.

Wir Menschen können lernen diese Beschwichtigungssignale zu erkennen, zu deuten und sogar selbst einzusetzen.

Es sollte unser Ziel sein die Sprache unserer Hunde zu lernen, auf sie einzugehen und sie entsprechend zu beantworten bzw. zu respektieren.


Hier ein Auszug der häufigsten Beschwichtigungssignale:


den Kopf abwenden

der Hund dreht den Kopf erst zur einen, dann zur anderen Seite, oder er wendet den Kopf für eine längere Zeit ab

der Hund fühlt sich unwohl und zeigt dies, z.B. wenn wir uns über ihn beugen oder ihn umarmen, hochheben, ein anderer Hund kommt zu schnell auf ihn zu

Signal

Beschreibung

Beispiel

Augenlider senken, Augenzwinkern

er lässt die Augen wandern, kneift diese zusammen oder blinzelt

Das kommt vor, wenn wir unserem Hund ins Gesicht starren, ihm die Möglichkeit fehlt den Kopf zu wenden, z.B. wenn der angriffsbereite Hund bereits vor Ihnen steht

Schlecken der Nase/ züngeln

der Hund leckt sich rasch das Maul, in der Regel bis hin zur Nase

Oft auf dem Hundeplatz zu beobachten, wenn der Hund einen strengen Befehl ausführen soll oder der Hundeführer eine bedrohliche Haltung eingenommen hat. Auch wenn wir Menschen gereizt oder aufgeregt sind reagieren Hunde gerne mit Züngeln um uns zu beruhigen.

sich abwenden, den Kopf zur Seite drehen

der Hund dreht jemandem die Flanke oder das Hinterteil zu

ein starkes Beschwichtigungssignal: wenn jemand plötzlich auftaucht oder der erwachsene Hund zeigen möchte, dass er von etwas (beispielsweise einem kleinen Welpen) genervt ist. Sie selbst können dieses Signal auch anwenden, wenn sich ein Hund von Ihnen bedroht fühlt oder bereits aggressiv ist, indem Sie sich wegdrehen.

Gähnen

Wir gähnen weil wir müde sind – das ist bei Hunden zwar auch so, aber sie benutzen das Gähnen auch oft zur Beruhigung

z.B. vor Aufregung im Wartezimmer des Tierarztes, oder in Streitsituationen zuhause, anderer Lärm oder Spannungen. Für den Konfliktlöser Hund ist jede sich anbahnende Auseinandersetzung etwas, das gestoppt werden muss. Auch selbst kann man das Gähnen einsetzen um den Hund zu beschwichtigen.

Langsame Bewegungen

Schnelle Bewegungen wirken für den Hund bedrohlich – langsame Bewegungen sind beruhigend und beschwichtigend.

Ihr Hund wendet langsame Bewegungen in vielen Situationen an, über die Sie nicht einmal nachdenken. Wenn Sie ihren Hund rufen und Ihre Stimme aggressiv und gereizt k1ingt, wird er in den meisten Fällen sofort das Tempo verlangsamen, um zu Ihnen zu kommen. Die streng befehlende Stimme wird sehr oft zur Folge haben, dass das gegebene Kommando nur im Schneckentempo ausgeführt wird. Wenn mehrere Hunde zusammenkommen und einige von ihnen sehr aufgedreht sind, werden sie in der Regel beobachten können, dass mindestens einer der Hunde versucht, die Hektik zu mildern. Vielleicht verharrt er sogar ganz still, um die anderen zu beruhigen.

Bogen laufen

 

Hunde gehen normalerweise nicht direkt aufeinander zu. Das ist der Grund, warum die meisten Hunde so unsicher und verteidigungsbereit sind, wenn wir sie zwingen, geradewegs an einem anderen Hund vorbeizugehen.

Erstarren/ Einfrieren

Ihr Hund wird manchmal in stehender, sitzender oder liegender Haltung "einfrieren" und sich vollkommen passiv verhalten.

Zwei Rüden, die sich treffen, werden sich sehr vorsichtig und abwägend verhalten, um keinen Konflikt heraufzubeschwören. Sie werden sich oftmals langsam bewegen und plötzlich in eingefrorener Stellung verharren, bis sich einer von ihnen langsam entfernt. Auch Sie können dieses Signal einsetzen indem sie stocksteif stehen und blinzeln, dann Kopf abwenden und sich langsam entfernen.

Das Schwanzwedeln

Bedeutet oft Freude, kann aber auch als Beschwichtigungssignal eingesetzt werden.

Beispielsweise er kommt in abgesenkter Stellung auf Sie  zu, senkt den Blick dabei und wedelt vorsichtig mit dem Schwanz, so beschwichtigt er eindeutig. Das Wedeln ist hier als „weisse Fahne“ zu interpretieren, eine Bitte um Verschonung.

Ruhig hinsetzen

Manchmal setzt sich der Hund einfach hin. Und manchmal wendet er einem, des größeren Effekts wegen, den Rücken zu, bevor er sich setzt.

Ist Ihr Hund oder der Hund eines anderen unsicher, gestresst, quengelig oder unruhig, denn setzen Sie sich hin und entspannen Sie sich. Lesen Sie Zeitung, machen Sie den Fernseher an oder sitzen sie einfach nur da. Das hat einen unglaublich beschwichtigenden Effekt. Der Hund hat dadurch die Möglichkeit, ebenfalls zu entspannen und oftmals kommt er dann an und beschnüffelt die Angelegenheit in Ruhe.

Das Hinlegen

Der Hund legt sich auf den Bauch, die Beine am Boden

ein ranghoher Hund legt sich hin um Ruhe und Ordnung in den Hunderudel zu bringen. Er kann dieses Signal einsetzen wenn das Treiben um ihn herum zu wild wird. Ein erwachsener Hund legt sich hin um einen anderen unsicheren Hund zu beruhigen. Die Wirkung des Hinlegens ist stark, und deshalb auch für Sie eines der besten und effektivsten Mittel ihren Hund zu beschwichtigen. Legen Sie sich auf das Sofa, schauen Sie fern, lesen Sie ein Buch – Sie werden keine bessere Methode finden, um einen Hund zur Ruhe zu bringen.

Am Boden schnüffeln

Hunde schnüffeln nicht nur der Gerüche wegen sondern auch um zu beschwichtigen.

Diese Art Schnüffeln kann ein Entlangführen der Nase über den Erdboden sein, ohne dass die Nase ihn berührt Es kann auch eine Berührung des Bodens mit anschließendem Hochnehmen sein. In manchen Fällen ist es ein ausgiebiges Schnüffeln auf einer Stelle, und in anderen Fällen werden Sie sehen, dass die Nase den Boden beschnuppert, während die Augen das verfolgen, was im Umkreis geschieht und was der Hund zu beschwichtigen versucht. Sie sollten einfach in ihrer Gesamtheit betrachten, um herauszufinden, um was es eigentlich wirklich geht. Und manchmal bleibt uns nichts anderes übrig als zu raten. Wenn sie Ihrem Hund das Herankommen befehlen, wird er ab und zu darauf reagieren, indem er auf dem Boden schnüffelt. Er tut es nicht. weil er sich dominant fühlt, die Führung übernehmen will und deshalb den Gehorsam verweigert, sondern weil er eine Irritation in Ihrer Stimme hört oder weil Sie eine drohende Haltung einnehmen.

Vorderkörper- Tiefstellung

was aussieht wie eine typische Spielaufforderung oder ein Strecken, ist oft ebenfalls ein Calming Signal

ein zu wildes Spiel kann durch dieses Signal beschwichtigt werden, indem der Hund die Tiefstellung einnimmt und dabei verharrt. Manchmal kann man beobachten, dass erwachsene Hunde die Vorderkörpertiefstellung gegenüber ängstlichen Welpen anwenden. Sie wollen in diesem Moment wahrscheinlich gar nicht unbedingt spielen, aber diese Haltung hat einen beruhigenden Effekt und wird deshalb als Beschwichtigungssigna! eingesetzt.

Splitten

Sich körperlich zwischen Hunde oder Leute zu drängen soll verhindern, dass allzu große Nähe in einem Konflikt endet.

Wenn zwei Hunde spielerisch miteinander raufen und es etwas zu grob wird, kann ein dritter Hund dazwischengehen und sie trennen, indem er sich von hinten oder von der Seite nähert. Auch wir können splitten gehen. Wenn zwei Hunde beginnen, angespannt aufeinander zu reagieren, stellen Sie sich ganz einfach dazwischen, falls noch etwas Platz ist. Bellt Ihr Hund etwas oder jemanden an, stellen Sie sich vor Ihren Hund und damit zwischen ihn und das angebellte Objekt.

Markieren

 

Manchmal geschieht es aus purem Stress, so wie manche Menschen auch etwas auf die Blase schlagen kann. In anderen Fällen benutzen Hunde es zur Stärkung des Gemeinschaftsgefühls. So wie wir beispielsweise mit anderen eine Tasse Kaffee trinken, pinkeln die Hunde in Gesellschaft und tun damit gemeinsam etwas Unverfängliches. Bei einer Gruppe von Hunden können sie oft beobachten, wie die ganze Gruppe mehr oder weniger auf dieselbe Stelle pinkelt, wobei es in diesem Fall ganz zufällig ist, wer zuerst pinkelt und wer zuletzt.

Lächeln

das Maul des Hundes ist geöffnet, als würde er hecheln, dabei hängt die Zunge nicht aus dem Maul

Das Lächeln benutzen manche Hunde zur freundlichen Kontaktaufnahme, während andere es deutlich als Beschwichtigungssignal einsetzen.

 

 

 

 

Beschwichtigungssignale selbst anwenden!

 

Es braucht ein wenig Zeit und Übung bevor man gelernt hat, sie alle zu erkennen, aber es ist die Arbeit und den Zeitaufwand wirklich wert. Sie werden lernen, was zum Beispiel in Ihrem Hund vor sich geht, wenn Sie dazwischen gehen, um eine unangenehme Entwicklung zu stoppen oder ihm aus einer bedrohlichen Situation herauszuhelfen Denn schließlich Sie sind der Rudelführer, der nicht nur das Rudel leitet, sondern auch sein Rudel im Angriffsfall mit beschützen sollte.

 

Freuen Sie sich, wenn Sie einen Hund haben, der im Umgang mit anderen Hunden viele Beschwichtigungssignale anwendet! Geben Sie ihm genug Freiraum, diese Signale auch zu zeigen und beobachten Sie die faszinierende Bandbreite der Kommunikation, die sich dadurch ergibt.

 

 

 

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